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Wie lange reicht das Geld?

Kurz gefasst

Reichweite = verfügbares Geld geteilt durch das, was pro Monat mehr rausgeht als reinkommt

Im Beispiel: 130.000 € ÷ 15.000 € = rund 8,7 Monate.

Nicht Ihr Kontostand zählt, sondern wie lange er trägt. Den größten Sprung bringt dabei meist nicht der nächste Auftrag, sondern eine alte Rechnung, die endlich bezahlt wird.

Ein gutes Jahr auf dem Papier und trotzdem eng auf dem Konto – das ist kein Widerspruch. Es ist der Normalfall in Betrieben, die in Vorleistung gehen. Der Gewinn entsteht, wenn Sie die Leistung erbringen. Das Geld kommt, wenn der Kunde zahlt.

Hier lesen Sie, wie Sie ausrechnen, wie lange Ihr Geld reicht, und welche vier Zahlen dazugehören. Und warum offene Rechnungen einzutreiben oft mehr bewegt als der nächste Auftrag. Die Zahlen im Beispiel sind erfunden. Die Rechenwege sind es nicht.

Was Reichweite heißt

Nicht der Kontostand zählt, sondern wie viele Monate er Ihre Zahlungen deckt, wenn es so weiterläuft wie zuletzt. Diese eine Zahl beantwortet die Frage, die einen nachts wach hält, besser als jede Bilanz.

Der Unterschied zur Gewinnrechnung ist der Zeitpunkt. Die BWA bucht den Umsatz, sobald die Leistung erbracht ist. Ihr Konto merkt davon erst etwas, wenn der Kunde zahlt – im Servicegeschäft je nach Zahlungsziel und Zahlungsmoral Wochen bis Monate später. In dieser Lücke ist schon mancher gut verdienende Betrieb in Schwierigkeiten geraten.

Welche vier Zahlen Sie brauchen

Die letzte wird am häufigsten übersehen.

  1. Verfügbares Geld – Konto plus fest zugesagte Kreditlinie. Fest zugesagt heißt: schriftlich und ohne Widerrufsvorbehalt.
  2. Was pro Monat rausgeht – der Durchschnitt der letzten sechs Monate. Sechs Monate deshalb, weil kürzere Zeiträume von einzelnen großen Zahlungen verzerrt werden.
  3. Was pro Monat reinkommt – aus Ihrem Auftragsbestand, gerechnet mit dem tatsächlichen Zahlungsverhalten Ihrer Kunden und nicht mit dem vereinbarten Zahlungsziel.
  4. Offene Rechnungen, nach Alter sortiert. Nicht die Summe, sondern die Aufteilung. Eine Rechnung, die seit neunzig Tagen offen ist, ist etwas anderes als eine seit dreißig.

Ein Rechenbeispiel (erfundene Zahlen, keine Branchenwerte)

Ein Betrieb mit 90.000 € auf dem Konto und 40.000 € freier Kreditlinie.

PositionBetrag
Kontostand90.000 €
+ Freie Kreditlinie40.000 €
= Verfügbares Geld130.000 €
Was pro Monat rausgeht235.000 €
− Was pro Monat reinkommt220.000 €
= Lücke pro Monat15.000 €
130.000 € ÷ 15.000 € =rund 8,7 Monate

Jetzt kommen die offenen Rechnungen dazu: 180.000 €, davon 60.000 € älter als sechzig Tage. Holen Sie diese 60.000 € herein, steigt die Reichweite auf gut zwölf Monate. Dieselbe Firma, dieselbe Auftragslage – der Unterschied liegt allein im Eintreiben.

Das ist der Grund, warum Liquidität selten dort gewonnen wird, wo man sie sucht. Ein zusätzlicher Auftrag über 60.000 € bringt erst in Monaten Geld und kostet vorher Material und Stunden. Eine sechzig Tage alte Rechnung über 60.000 € bringt Geld in zwei Wochen und kostet ein Telefonat. Beide Wege stehen offen. Gegangen wird üblicherweise nur einer.

Was die Zahl aussagt – und was nicht

Die Reichweite ist eine Momentaufnahme mit einer starken Annahme: dass es so weiterläuft wie zuletzt. Genau das tut es nie. Deshalb sagt der einzelne Wert weniger als die Entwicklung über mehrere Monate – und die weniger als der Vergleich mit Ihrem schwächsten Monat im Jahr.

Drei Bereiche haben sich als Orientierung eingebürgert, ohne dass sie irgendwo festgeschrieben wären:

  1. Unter drei Monaten wird Liquidität zur Chefsache. Jede größere Anschaffung braucht dann einen Termin und nicht nur einen Betrag.
  2. Drei bis sechs Monate sind handhabbar, verlangen aber eine Planung, die jeden Monat um einen Monat weiterrückt. Die Jahresübersicht reicht dafür nicht mehr.
  3. Über sechs Monate sind Sie handlungsfähig und halten auch ein schwaches Quartal aus.

Wichtiger als die Einordnung ist Ihre Saison. Ein Betrieb mit schwachem erstem Quartal muss die Reichweite im November kennen, nicht im März. Im März ist die Entscheidung längst gefallen.

Die drei häufigsten Fehler

  1. Mit dem Jahresdurchschnitt rechnen, obwohl das Geschäft saisonal ist. Die Reichweite muss den schwächsten Monat aushalten, nicht den mittleren.
  2. Die Kreditlinie mitzählen, ohne zu prüfen, ob sie im Ernstfall da ist. Linien werden gekürzt, wenn die Zahlen schlechter werden – also genau dann, wenn Sie sie brauchen.
  3. Bereitschaft und Notdienst als feste Kosten unterschätzen. Sie laufen weiter, auch wenn ein Monat schwach ist. Im Servicebetrieb ist der Anteil fester Kosten höher, als die Kalkulation vermuten lässt.

Woher Sie die Zahlen bekommen

Den Kontostand haben Sie von der Bank, alles andere aus der Buchhaltung. Ein DATEV-Export mit den offenen Posten liefert Ihnen Forderungen und Verbindlichkeiten samt Alter. Was pro Monat rausgeht, sehen Sie an den Kontoumsätzen der letzten sechs Monate.

Der Aufwand steckt in einem Detail: Zahlungsziel und Zahlungsverhalten sind zwei verschiedene Dinge. Wer mit dem vereinbarten Ziel rechnet, plant den Geldeingang regelmäßig zu früh – und genau diese Tage entscheiden, wenn es knapp wird.

Was Sie mit dem Ergebnis machen

Verfolgen Sie zwei Zahlen im Monat: die Reichweite in Monaten und den Anteil der Rechnungen, die länger als sechzig Tage offen sind. Sinkt die eine und steigt die andere, liegt Ihr Problem im Eintreiben und nicht im Geschäft. Das ist eine völlig andere Baustelle als zu wenig Umsatz – und sie ist schneller zu schließen.

Die drei Hebel, nach Geschwindigkeit sortiert:

  1. Offene Rechnungen eintreiben. Wirkt in Tagen bis Wochen. Meist genügt es, überhaupt einen festen Rhythmus zu haben statt einer Mahnaktion, wenn es eng wird.
  2. Abschlagsrechnungen und Teilabnahmen. Wirken beim nächsten Auftrag. Der wirksamste Punkt liegt im Vertrag, nicht in der Buchhaltung.
  3. Zahlungsziele bei Ihren Lieferanten. Wirken dauerhaft, brauchen aber Verhandlung – und funktionieren nur, solange Sie selbst pünktlich zahlen.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Liquiditätsreichweite?

Sie teilen Ihr verfügbares Geld durch die Lücke, die pro Monat entsteht – also durch die Differenz zwischen dem, was rausgeht, und dem, was reinkommt. Kommt mehr herein als heraus, ist die Reichweite rechnerisch unbegrenzt. Dann ist die interessantere Frage, wie stabil das über Ihre Saison bleibt.

Zählt die Kreditlinie zum verfügbaren Geld?

Nur, wenn sie fest zugesagt und nicht ausgeschöpft ist. Sinnvoll ist, die Reichweite in beiden Varianten zu führen: mit und ohne Linie. Der Abstand zwischen beiden zeigt, wie abhängig Ihr Betrieb von der Bank ist.

Was ist der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität?

Der Gewinn entsteht, wenn die Leistung erbracht ist. Das Geld kommt, wenn der Kunde zahlt. Dazwischen liegen im Servicegeschäft oft mehrere Monate. Wer stark wächst, hat deshalb beides gleichzeitig: steigenden Gewinn und fallende Liquidität.

Diese Rechnung einmal aufzustellen ist Arbeit. Sie jeden Monat aktuell zu haben, ist eine Frage der Datenaufbereitung – genau dafür gibt es bei uns die Perspektive „Liquidität“.

Wenn Sie diese Rechnung für Ihren eigenen Betrieb sehen wollen, sprechen wir im Erstgespräch darüber.

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